Werbung statt Inspiration

Hin und wieder gibt es kleine, blasse Perlen. Perlen mit Inhalt!

Hin und wieder bin ich in einem Geschäft für Zeitschriften, Zeitungen und andere Presseartikel unterwegs und denke dabei: “Och! Schaust du mal, was es zum Thema Kunst, Kultur und Photographie gerade gibt.”

Die Auswahl selbst ist natürlich umfangreich und es gibt quantitativ nichts zu bemängeln. Das Bewusstsein für Mängel beginnt erst damit, wenn wir uns die Zeitung oder das Magazin genauer anschauen. Es begrüßt uns oft mit einem einladenden Cover, was selbstverständlich ist, immerhin möchte sich das Produkt verkaufen, richtig? Meist folgt ein Vorwort und knapp im Anschluss das Inhaltsverzeichnis. Hier lässt sich bereits das ein oder andere ‘Meh!’ gedanklich provozieren. Es ist bei einigen Printprodukten schlicht voll von irgendwelchen Tests von irgendwelchen Gerätschaften. Warum?

Blättern wir weiter, steckt zwischen einigen interessanten oder weniger interessanten Berichten auch noch Unmengen an Werbung. Für ein Printprodukt das gut und gerne zwischen 10 bis 15 Euro kostet. Insbesondere für Studenten, wie ich es bin, eine nicht unbeachtliche Summe die da gezahlt werden muss.

Liebe Verlage, mögt ihr in Zukunft vielleicht weniger Tests und Werbung für Technik in eure Hefte drucken? Ihr gebt euch allerhand tollte Titel. Ihr gebt euch seriös. Eure Autoren schreiben wundervolle Berichte über kulturelle Ereignisse, Ausstellungen und Erfahrungen. Alles aber ist vergessen, wenn auf einer großen Seite mir wieder irgendein deutscher Hersteller mit “L” im Namen seine teure Ausrüstung verkaufen mag. Es reißt ein Leser einfach raus, versteht ihr?

Kunst und Lehre!
_Kevin

Falls es wem interessiert: Das Coverbild ist mit einem Smartphone auf meinem Rückweg von der Universität entstanden. Das Gerät ist von einem amerikanischen Hersteller der mit einem eigenen Betriebssystem punkten wollte und nur im PC-Markt ein Quasimonopol inne hat. Blende 1.9, 1/33 Sek bei ISO 250 und “entwickelt” (haha!) direkt auf dem Smartphone.

Verkauf der Leidenschaft?

Immer wieder beschäftigt mich die Frage, ob einige YouTuber aus dem Bereich der Photographie auf ihrem jeweiligen Kanal noch der Leidenschaft der Photographie nachgehen oder sich bereits derart kommerzialisiert haben, dass sie für diese ursprüngliche Leidenschaft leider keinerlei Raum mehr besitzen.

Schon länger plane ich ein Video in welchem ich einige bekannte wie auch unbekannte Kanäle untersuche und wie sich die Art ihrer Videos gestaltet. Vom Thumbnail und Titel bis hin zur Videobeschreibung und lose Sprünge in der Videotimeline. Dabei zeigt sich relativ rasch, dass die kleineren Kanäle noch mit einer Form von Originalität aufwarten können. Produkte sind nebensächlich und es geht um die Photographie allein. Mit steigender Zahl an Abonnenten steigt auch die Zahl der Produktvideos. Es beschränkt sich jedoch nicht nur auf Produktvideos, sondern auch auf immer wiederkehrende Schemata oder der geneigte Zuschauer wird in eine Art “Dauermotivationsschleife” gesetzt. Dabei helfen dann Videos die, wie hunderte zuvor, *wieder* erklären, warum:

  • die ersten 10.000 Bilder Mist waren
  • Pausen wichtig sind
  • Dranbleiben wichtig ist
  • Ausrüstung nicht wichtig ist
  • Ausrüstung dann doch wieder wichtig ist
  • 5 Tipps für bessere Bilder
  • 7 Tipps für KRASSE MEGA Bilder
  • 10 Tipps für ULTRA MORDSGEILE Schwarz-Weiß-Bilder
  • und viele, viele Motivationspillen mehr.

Dazu gesellen sich dann die nächste Kategorie an Videos, die ich zusammenfassend als “Bedienungsschleife” betiteln mag. Dabei handelt es sich um Videos, die bereits auf hunderttausend Kanälen zuvor schon erklärt hatten, was eine Blende oder was die Verschlusszeit ist etc. pp. Sprich alles das, was auch im Handbuch der jeweiligen Ausrüstung vermerkt sein sollte. Diese Videos und die zuvor genannten Motivationspillen helfen in erster Linie dem Verkäufer oder in diesem Sinne, dem YouTuber und erst an dritter Stelle kommt der geblendete Zuschauer der sich mal mehr, mal weniger etwas aus einem Video für sich herleiten und umsetzen konnte. Was an zweiter Stelle kam? In vollster Selbstverständlichkeit der Werbetreibende.

Im Endeffekt ist das alles was dort passiert schlicht Werbung. In erster Linie Werbung für den jeweiligen Kanal und an zweiter Stelle Werbung für die Produkthersteller oder Dienstleistungsbetriebe der Branche Photographie. Der zumeist jugendlich, lockere Stil fängt Zuschauer ein und weckt Erwartungen und Wünsche – was auch das Ziel von Werbung ist. Wünsche wecken nach vollem Haar oder DAS Photo. Auf diesem Wege ist genug Publikum für jede erdenkliche Sparte vorhanden und Hersteller / Dienstleister können munter sich mithilfe der sogenannten Influencer unter das Volk mischen.

Jetzt wo viele aufgrund diverser Schritte der Landesmedienanstalten ihre Videos mit “Dauerwerbesendung” betiteln, ist das zum einen ein Eingeständnis dessen, was es so oder so lange Zeit war. Das Problem ist an dieser Stelle nur, es wird noch undurchsichtiger für die Zuschauer. Oder schlimmer noch, es tritt eine Entwicklung ein, die ich noch bedenklicher finde und in Kommentaren sinngemäß mit: “Der möchte natürlich auch was verdienen. Mich stört die Werbung nicht oder die Produktplatzierung.”

Das lässt sich nicht bestreiten und über das Thema Kapitalismus und dessen Zusammenhänge mag ich mich an anderer Stelle auslassen. Hier jedoch sollte der Kommentator, welcher solche Zeilen verfasst, bitte bedenken, dass das Wecken von Wünschen und Sehnsüchten ein billiger Trick ist der hauptsächlich *nicht* dem Käufer hilft, sondern seinem Gegenüber. Selbiger hat erst durch seine “Masche” für jenen Kauf gesorgt. Es muss nicht sofort passieren, es kann auch sehr wohl sein, das über lange Zeit durch Photomagazine, Empfehlungen oder andere Werbemaßnahmen der zukünftige Käufer bereits “angefixt” wurde und ein Video eines Influencers letztlich nur noch den letzten Stoß verpasst, der zum Kauf bewegt. Damit möchte ich “Hatte eh schon überlegt…”-Aussagen bereits den Wind aus ihren Segeln nehmen.

Natürlich “Hattest du eh schon überlegt…” doch verfolge jenen Gedanken komplett zurück, sofern überhaupt möglich bei diverser subjektiver Beeinflussung und frage dich: “Dein Gedanke oder durch Fremdeinwirkung eingeflößt?”

Doch genug der Worte, es ist ein Bild des Bedauerns was sich in der Welt abzeichnet und ich wünsche mir mehr Aufklärung.

Kevin

In eigener Sache #1 – DSGVO und CoKG

Hallo, Freunde des Mondes

durch die bevorstehende DSGVO steht ja einiges an Arbeit an und so bastele ich im Hintergrund an der Website um sie

a) sicherer und
b) sehr wahrscheinlich unbrauchbar für Werbetreibende zu machen.

So kann ich mit etwas Stolz bekannt geben, das die Website hier eine ganze Reihe an Dingen nicht oder nicht mehr tut, wie es sonst noch in WordPress üblich war. So sieht das Testergebnis auf https://securityheaders.com aus:

 

Eine gute Sache, oder? Ja, ich lege mir immer mehr Steine in den Weg um für Werbung unattraktiv zu werden. Dafür gewinnen die Besucher der Website viel zurück, denke ich.

Rang A+ gibt es auch, jedoch muss ich noch etwas daran werkeln. Mit Optionen für A+ hat mein Backend eine kleine Macke und die Plugins für Bilder funktionieren nicht. Ich arbeite dran.

Liebe Grüße wünscht
Kevin!

[Buchempfehlung] Die Werbung ist ein lächelndes Aas

Aufgrund folgender Untaten eröffne ich hiermit den Nürnberger Prozess gegen die Werbung:

Verschwendung von Unsummen
Soziale Nutzlosigkeit
Lüge
Verbrechen gegen die Intelligenz
Heimliche Verführung
Verherrlichung der Dummheit
Ausgrenzung und Rassismus
Verbrechen gegen den Inneren Frieden
Verbrechen gegen die Sprache
Verbrechen gegen die Kreativität
Hemmungsloses Ausplündern

  • – aus “Die Werbung ist ein lächelndes Aas” von Oliviero Toscani (1996), Mannheim: Bollmann Verlag

Mit jenen markanten Worten beginnt das zweite Kapitel im Buch von Toscani und ich muss gestehen, das ich es nicht nur einmal gelesen habe. Insbesondere seit Beginn des Studiums und weiterer Lektüre wird einem umso bewusster, auf welchem Pfad sich ein jeder bewegen mag.

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