Der Beginn eines Essays zur späteren Genealogie des erfüllten Herzens?

Wenn es etwas gibt, dass das Zusammenleben in der heutigen Zeit möglichst naheliegend in einem Wort beschreiben könnte, ist es die Bestätigung. Keine Berichtigung, keine Korrektur – nein – die Bestätigung. Insbesondere durch das aufkommen von Möglichkeiten der schnellen Vernetzung sich bereits gleichender Gedanken und gedanklicher Grundfesten, erfährt die Bestätigung – teils auch in Form von Selbstbestätigung – einen enormen Aufwind. Es werden Beiträge in kunterbunter Form erstellt, welche die Hoffnung zu schüren sich bemühen, in erster Linie auf Bestätigung durch Dritte zu treffen und dann erst in der Schlussinstanz, quasi am Ende eines verstaubten sowie vergessenen Flures auf die Kritik, die Berichtigung, das notwendige Korrektiv der Entwicklung und des Fortschritts zu stoßen.

So ist es mitunter höchst schwierig geworden, an vielen Stellen noch einen nüchternen, in erster Linie vernunft-basierenden Diskurs zu führen. Ein Diskurs also, der die Logik der Argumentation grundsätzlich höher bewertet, als das normative Steckenpferd selbstauferlegten Wunschdenkens. Eines gefährlichen Wunschdenkens wohlbemerkt, da sich auf diesem Wege einer Auseinandersetzung zwischen dem Ich und der Welt, ein Keil zwischengeschoben wird. Wenn es darauf ankommt unter einem Beitrag, in welcher Form auch immer dieser Beitrag sich der Öffentlichkeit und somit Rezeption ausgesetzt zeigt, nur dann etwas als für sich wertvoll zu betrachten, weil es in jenes enge Korsett eigener Ansichten (umgangssprachlich Kragen) passt, zu blicken, aber darüber hinaus doch kein Blick in die Ferne gewagt wird, ist es mehr als fraglich, welche Form von Entwicklung noch stattfindet. Außer jener Entwicklung, auf der Stelle zu treten oder Entwicklung zu sehen, wo Stimmen keine Entwicklung erkennen oder nicht in der Größe, wie es einem selbst trügerisch erscheinen vermag. Doch da diese Dritten aufgrund ihrer Nicht-Bestätigung des Ichs in der Welt außen vor gelassen werden, relativiert sich deren Bedeutung. Demzufolge werden also die Werkzeuge des Fortschritts unsichtbar und wenn überhaupt von Entwicklung und Fortschritt gesprochen werden kann, dann im ebenso engen Korsett wie das normative Steckenpferd eigener Ideale die einer kritischen Auseinandersetzung scheuen.

“Irgendjemand muss schuld sein, dass ich mich schlecht befinde” – diese Art zu schließen, ist allen Krankhaften eigen.”

Friedrich Nietzsche, Zur Genealogie der Moral (1887)

Beste Grüße und bleibt kritisch im Denken!
– Kevka