Das Werk – Ein Versuch der Klärung

Coucou!

Es ist erstaunlich, mit welcher Finesse und ebenso grober Herangehensweise Photographen und die, die es werden wollen, versuchen, einen Meinungskrieg zu führen, welcher keiner ist. Nach einem Satz mit übertrieben vielen Kommata nun ein Erklärungsversuch, was ich überhaupt damit meine.

Mit einer gewissen Garantie gehe ich davon aus, jedem ist an irgendeiner Stelle im Netz (Forum, PRgram alias Instagram, Flickr etc pp) bereits aufgefallen, das es oft Diskussionen darüber gibt, ob ein Bild “out of cam” sein sollte oder nicht. Ob der Einsatz von Bildbearbeitung oder vergleichbarer Techniken der Kunst der Lichtbildmalerei zuträglich ist oder nicht. Wenn solche Diskussionen, die nie die Stufe eines Diskurses erreichen, dann noch anfangen über “die alten Wege irgendwelcher alten Photographen” zu reden, habe ich das Gefühl, man verliert ein Blick für das Gesamte.

Ich habe eine Szene im Kopf oder sehe etwas, das ich festhalten möchte, weil ich es so wie ich es sehe, als würdig für meinen Film respektiv Bildsensor empfinde. Das Bild wird gemacht und fertig. Ich komme heim und nehme mir das gemachte Bild zur Brust. Dabei können folgende, nicht darauf beschränkte, Ergebnisse eintreten:

1. Ich finde das Bild, wie es aus der Kamera kommt, interessant genug. Es spricht für sich selbst. So kann es, wenn ich mag, für den Rest der Welt auch zur Verfügung stehen. Als Inspirationsquelle oder als Bild, das nur ein müdes Lächeln verursacht. Wie auch immer es “wirkt” ist egal. Es hat “irgendeine” Wirkung erzielt. Ich habe etwas geschaffen, das ich für schaffenswürdig halte. Etwas für mich kunstvolles. Auf seine Art wertvolles.

2. Ich stelle fest, es spiegelt nicht das wider, was meine Erinnerung mir zuflüstert, wirklich gesehen zu haben. Es bedarf einer Nachbearbeitung, da mein Sensor – technisch bedingt – nie wie meine faszinierten Augen arbeiten kann. So nehme ich mir Zeit und gestalte es um im Einklang mit jenem Bild meiner Erinnerung zu sein. Nach der Gestaltung, diesem kleinen künstlerischen Akt, kann ich es teilen oder allein für mich behalten. Aufhängen. Ausdrucken. Verschenken. Oder nur Erinnern und ein Klick weitergehen.

3. Das Bild, wie es aus der Kamera kam, entspricht zum einen nicht meiner Erinnerung an die Szene, die ich sah und zum anderen habe ich ganz neue Ideen! Jetzt wo ich es nach einiger gewissen Zeit Abstand zwischen Motivschuss und Heimreise erneut vor mir sehe. Ich nehme mir die Zeit, meine Schaffenskraft einzusetzen und mit verschiedenen Werkzeugen etwas zu kreieren, was ich wie ein Kunstgemälde auch selbst in meine Wohnung hängen wollen würde. Mir gefällt es, was ich geschaffen habe (oder auch nicht und beginne von vorn).

Dem ein oder anderen mag es jetzt schon aufgefallen sein. Alle drei Positionen haben stets einige Gemeinsamkeiten. Die Auseinandersetzung, der Schaffensakt, die Reflexion, die Veränderung oder Nicht-Veränderung und die Abschlussbewertung. Intro und Outro. Alle Sichtweisen haben stets irgendwo etwas “Kunst” im Innern verborgen. Somit betrachte ich persönlich auch alle Ansichten, wie mit Bildern umgegangen werden sollte, als gleichwertig. Es sind unsere Werke. Sie sollten in erster Linie auch uns selbst gefallen. Wenn sie dann zusätzlich auch Anderen gefallen, ist das ein gern mitgenommener Bonus. Solange er nicht zur Abhängigkeit führt und wir nicht mehr für uns, sondern für andere allein “arbeiten”.

Anerkennung und somit schon ein Like-Button oder der Gegenpart, können schnell zum schleichenden Gift der eigenen Kreativität übergehen. Dafür im Anschluss ein Heilmittel finden, zur Mammutsaufgabe heranwachsen.

Festzuhalten ist somit am Ende: Erfolgt eine Auseinandersetzung “mit etwas” so darf das ruhig als künstlerischer Akt betrachtet werden. Es gibt kein Buch, keine Norm die vorschreibt: Nur wer sich 21 Tage, 11 Stunden und 20 Minuten mit “etwas” beschäftigt hat, tat es auf eine künstlerische Art und Weise. Ich denke, so funktioniert die Welt auch einfach nicht. Wir sollten also froh darüber sein, das Kunst subjektiv ist und nicht anfangen, Grenzen zu “Bereichen” zu ziehen, wo keine Grenzen sind.

Liebe Grüße wünscht euch
Kevin.

p. s. Bald wieder in den Bergen unterwegs die Woche. Yay!