Epoche der Tutorials

Priwjet!

Ist noch jemanden aufgefallen, das die Suche nach simplen Begriffen wie “Fotografie” (oder wie ich es lieber nutze “Photographie”) auf YouTube zum Großteil Ergebnisse liefert die da heißen:

1. n Tipps für tolle Bilder
2. n Fotografie Hacks
3. n Tricks für [Hier Adobe Produkte Einsetzen]

wobei n ∈ ℕ gilt? Nein? Noch nicht aufgefallen?

Dann einfach YouTube besuchen und oben genannten Begriff eingeben, Enter drücken und Augen zusammenkneifen. Mir ist klar, das viele Kanalangebote selbstverständlich auch mehr anbieten als solche Tipps und Tricks Videos. Mir ist jedoch nicht klar, warum viele (Hobby)Photographen mitunter von einer Stagnation oder gar Entwertung der Photographie sprechen, wenn doch solche sich ständig wiederholenden Themen genau dazu beitragen. Eröffne ich also ein Kanal auf YouTube und lade, neben einhundert weiterer Zeitgenossen neben mir, ebenfalls ein Video aus oben genannten Dreiergespann hoch, habe ich keine kreative oder förderliche Arbeit geleistet. Oder sehe ich das falsch? Was ich aktuell auf YouTube zum Upload freigebe, mag selbst keinerlei kreativen Anspruch erfüllen – logischer Art und Weise. Doch versuche ich mit der Zeit Stil und Möglichkeiten zu entwickeln und die beste Inspiration sind dann andere Photographen und ihre Werke.

Ärgerlich ist es dann halt, wenn der Kanal jener Photographen entweder aus Technikkram besteht (“Die neue Superloop Rebel-Ultra Mark XI von Komm-Erz im Techniktest!” – Titel frei erfunden), aus oben genannten Tipps überquillt oder im rudimentären Umgang mit Endprodukten schult. Wenn nur ein Bruchteil vom Angebot das ‘Kreative’ ist, kann ich selbst als Zuschauer nur ein Bruchteil für mich herausfiltern und mich ebenso nur bruchstückhaft entwickeln.

Andererseits scheinen die Zuschauerzahlen auch zu bestätigen, das es genügend Mitbewohner gibt, die auch heute nicht in das Handbuch ihrer Kamera geschaut haben um herauszufinden, was ISO bedeutet oder wofür die Blende existiert. Vielleicht – nur vielleicht – sollten wir uns von den immer und immer wieder aufbereiteten ‘Basics’ hinfort bewegen und hin in Richtung ‘Kreativität’ wandern? Darunter Stelle ich mir begleitende Aufnahmen zu Shootings vor, tiefe Einblicke in den persönlichen Workflow, die Verortung interessanter Bühnen für die Lichtmalerei oder vieles, vieles mehr. Auf lange Sicht könnte das gesellschaftlich gewinnbringender sein und im gleichen Moment die ewige Klage bekämpfen, das die Photographie durch diverse Netzwerke und Möglichkeiten “ja nur entwertet wird”. Natürlich wird sie das, wenn es an Kreativität und Spielerei mit dem Licht fehlt und ich im einhundertzehnten Video nur wieder was zur Blende, Brennweite und Crop-Faktor erfahre.

Aus etwas das keine Anwendung, kein Wort, kein Beispiel und kein Gehalt inne hat, kann auch nichts Neues oder Kreatives entstehen. Nicht das Handbuch (ob Text oder Video) zum grundlegenden Umgang mit der Technik fördert das Kreative, sondern Einblicke im Leben und Wirken derer, die dort bereits angekommen sind.

Liebe Grüße wünscht
Kevin.

p. s. Dieser Blogbeitrag wird mich auch für alle Zeit daran erinnern, nie selbst solche Videos bereitzustellen.