Zu Besuch: Tharandter Wald

Grüße!

Die Tage hatten mich einige Videos vom YouTube User Selorius dazu animiert, mich öfter in der Gegend rund um Dresden blicken zu lassen. Was, soviel vorab, sich sehr lohnte! Hier in Brandenburg sind solche Höhenunterschiede und teilweise zerklüftete Strukturen eher nicht zu finden, wie sie in Sachsen zu finden sind. Doch nun ein paar Worte zum spontanen Ausflug im Januar des neuen Jahres!

Ein Tag zuvor hatte ich mir als Ziel die Ortschaft Edle Krone südwestlich von Dresden ausgesucht. So bin ich früh um sechs Uhr los und war froher Dinge! Der erste Zug schien pünktlich zu sein und der zweite – na? – selbstverständlich nicht! Ich hatte eine knappe Umstiegszeit von fünf Minuten und der Zug von Senftenberg nach Dresden Hauptbahnhof hatte, wie oft bei Zügen sobald sie große Ortschaften näherkamen, mit jedem Halt eine zusätzliche Minute Verspätung. Ärgerlich, doch nicht zu ändern. Ich sah meinen geplanten Zug zumindest noch abfahren, als ich vor der Tür stand. Lange Rede, kurzer Sinn: Umplanen. Ein kurzer Blick auf das Smartphone, auf die Karte und mögliche Verbindungen machten die Ortschaft Tharandt schmackhaft. Kurzer Einkauf im Netto vom Hauptbahnhof und los ging die Reise mit dreißig Minuten Verspätung an einem bewölkten, windigen Tag.

Vermutlich war ich in einer alternativen Dimension unserer schönen Welt gelandet. Mal wieder. Anders kann ich mir nicht erklären, warum bei drei verschiedenen Wetterdiensten die Daten, die ich abends zuvor prüfte, nie stimmen. Sobald ich rausgefunden habe, an welcher Stelle dieses „Tor“ zur „Alternativen Welt“ sitzt, kann ich es möglicherwiese besser umgehen und mich auf acht Stunden zuvor geprüfte Daten zum Wetterbericht verlassen. Vom Bahnhof Tharandt aus, ging der Griff zunächst wieder zum Smartphone. Karte aufrufen und eine Orientierung finden. Das klappte dank Openstreetmap-Material und dessen Detailgehalt sehr gut. Ein Blick in alle Himmelsrichtungen und es ging entlang der Dresdner Straße an einem Netto-Markt vorbei in Richtung einer Kreuzung, die mich zur Pienner Straße führte. Die Gebäude der Technischen Universität Dresden sind dabei nicht zu übersehen und eine recht gute Hilfe zwecks Orientierung. Irgendwann begegnete ich einem Teich, der sich laut Karte als „Schlossteich“ entpuppte und stellte fest: Hier soll es laut Karte irgendwo die vierhundert Meter hinaufgehen. Irgendwo! Am Fuße des Berges war es nicht einfach festzustellen, wo genau. Erschwerend kam hinzu, dass ein nicht unbeachtlicher Teil – selbstverständlich – vom Gelände in Privatbesitz sich befand und ein überqueren nicht möglich. Das erinnert mich, kurzer Abstecher, an die Ortschaft Motzen und die Liebe der Bewohner jeden Quadratzentimeter einer sonst freien Landschaft in Besitz zu nehmen, so dass auch ja kein herankommen mehr ist. Doch ich schweife ab!

Nach einer Runde um jenen „Schlossteich“, einen weiteren Blick auf meine Karte werfend und einigen Metern weiter südlich entlang der Pienner Straße, war er gefunden! Der Zugang! Er war nur wenige Zentimeter breit und zwischen zwei Häusern versteckt – was mich schmunzeln ließ. Jetzt ging es bei grauen, stürmischen Wetter und einem sehr durchnässten, rutschigen Boden mit unpassenden Schuhwerk hinauf. Der Weg selbst ist mitunter sehr verschnörkelt und einige Pausen musste ich hin und wieder einlegen. Es ist mitunter einfach sehr rutschig gewesen und steil zugleich. Ein zum Wetter und Boden passenderes Schuhwerk hätte hier vermutlich Wunder bewirkt. Es ist auch einer der Punkte, die euch als Besucher noch etwas Empfang (Telekom) ermöglichen in bester LTE-Qualität.

Das könnte wichtig sein, wenn noch nicht genug Kartenmatrial zwischengespeichert wurde. Nach vielen Metern und einem völlig erschöpften Photographen mit schwerer Ausrüstung war der erste Anblick der Eingang zum „Forstbotanischen Garten Tharandt“ der, soweit ich es herauslesen konnte, zur Universität gehört und am Tag meines Besuchs geschlossen war. Nun ging es weiter Entlang vom Mauerhammerweg, vorbei an „Cottas Grab“ mit seinen achtzig Eichen drumherum. Auch hier hatte ich keine Bilder aufgezeichnet, da mir – man mag es mir verzeihen – Ruhestätten wie Friedhöfe (sei es nur ein einziges Grab wie dort) und Innenräume von Kirchen stets ein Tabu sind. Ich fotografiere solche Orte nicht. Etwas abseits vom Weg ging es zu einem Aussichtspunkt bei welchem das erste Bild oben entstanden ist. Sehenswert um sich ein Überblick der Region zu verschaffen und – wie in meinem Falle – dass ein oder andere nette Gespräch mit Bewohnern ermöglichte.

Erst durch dieses Gespräch war es mir möglich, noch ein paar weitere, eher versteckte Wege, auszumachen. Sie führten mich letztlich durch die Waldlandschaft auf den Judeichweg (oder auch Hallenflügel auf der Karte). Es wurde leider immer stürmiger und dunkler, obwohl die Glocken noch nicht die Mittagszeit angekündigt hatten und ich fasste den Entschluss, etwas schneller und strammer unterwegs zu sein um mein erstes Ziel der Reise noch vor der Dunkelheit einer Nacht zu erreichen. Entlang der Fuchsschneise ging es in Richtung Harthaer Weg – einer gut befahrenen Straße durch die Landschaft. Somit war Vorsicht geboten. Ein kurzes Stück die Straße abwärts, ließ sich eine Art „Parkmulde“ ausmachen und ein Weg der am Warnsdorfer Bach parallel vorbeiführte. Hier ging es ein gutes Stück weiter und es zeigte sich mit Blick links und rechts, dass die Landschaft viele Stellen aufweist, in welcher in feinen Rillen sich Wasser sammelt und zusammengeführt, ein immer größer werdender Bach entsteht. Überall war Geplätscher zu hören. Sehr schön und eine willkommene Abwechslung zum grauen Tag meines Besuchs. Einen halben Kilometer weiter, erreichte ich die Warnsdorfer Quelle und konnte an dieser Stelle eine kurze Rast einlegen. Möglichkeiten zu sitzen, auch geschützt, gab es hier durchaus und eine nähere Betrachtung der Umgebung entpuppte sich als äußert lohnenswert. Sei es durch die Quelle selbst entlang des Warnsdorfer Weges …

… oder durch das Wasser der Quelle, das sich überall seine Wege sucht und unglaublich klar wirkte an vielen Stellen …

… oder weitere geschützte Sitzgelegenheiten …

… aber ich konnte mich wegen zunehmender Dunkelheit nicht allzu lange aufhalten und musste wieder spurten, meinen Weg noch fortzusetzen. Nach vielen weiteren Metern kam ich auf die Freiberger Straße und war dort ein Moment, auch mit Karte, etwas verwirrt. Es gab Wege in Openstreetmaps, die nicht als solche in der Landschaft selbst auch nur im geringsten erkennbar waren. Da es sich um ein besonders geschütztes Gebiet handelt, war an ein Querfeldein auch nicht zu denken. Die Verwirrung löste sich, als ich meine Reise auf dem Mühlenweg (oder auch Schwarze Straße) fortsetze in Richtung einer weiteren Hütte an der Kreuzung Cottaer Weg und Wiesenweg. Letztere war es auch, der mich durch eine malerische, sehr durchnässte und mit vielen Stellen zum Halt einladende Landschaft vorbeiführte. Dieser Wiesenweg bekommt meine größte Empfehlung, wenn die eigene Zeit eines Besuches eher knapp bemessen sein sollte. Hier wurde jeder Aspekt der Landschaft eingefangen und es gab zahlreiche Geräuschen von fließend Wasser zu lauschen.

Hier musste ich weiter an meiner Geschwindigkeit zulegen, war es doch bereits nach fünfzehn Uhr und das Grau im Himmel wurde nicht weniger. Die ersten feinen Tropfen auf dem kühlen, schwarzen Kamerakörper ließen sich ausmachen.

Doch am Ende kam in zunehmender Dunkelheit des Tages, die meinerseits erwartete Belohnung und an dieser Stelle möchte ich ohne weitere Worte meinen kleinen Bericht zum Tagesausflug beenden. Der Rückweg war mehr ein Verstecken vor Regen, Wind und Kälte auf der Suche nach einem Bus um halbwegs lebendig ein Bahnhof zu erreichen und die knapp dreistündige Heimreise anzutreten.

Ich hoffe, es konnte dem ein oder anderen helfen! Habt einen schönen, erfolgreichen Januar! Bei mir ruft wieder die Universität.

– Kevin

*Klick* führt zu Selorius YouTube Kanal.
Dieser *Klick* führt zur Karte meiner Strecke.