Rollenspiel und die fehlende Trennung – Erster Akt

Wie? Ein großer Mann? Ich sehe immer nur den Schauspieler seines eigenen Ideals.
– Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse (1886)

Vor Jahren hörte ich davon, dass das Rollenspiel wie man es aus virtueller Runde in verschiedenen Titeln kennt, mitunter eine heruntergebrochene Reflexion der eigenen Absichten ist. Ein Schauspiel, das den Schauspieler selbst darstellt und weniger seinen Charakter. Ich frage mich, sollte es nicht in erster Instanz um den Charakter selbst gehen? Eine Möglichkeit vielleicht sogar selbstkritisch mit sich ins Gericht zu gehen?

Interessanter ist jedoch ein anderer Aspekt, der das ‘Menschliche’ omnipräsent in das Rollenspiel überträgt und sich ungeachtet der verschiedenen Völker die manch Titel offenbart, wie ein Gebrechen zu mittelalterlicher Zeit zu schnell verbreitet. Ich selbst nenne es seit jeher “Psychologische Kriegsführung”. Ungeachtet in welche Richtung die Blicke verschiedener Konzepte, Ansinnen, Gedanken oder Gemeinschaften auch gehen mögen, spiegelt sich immer wieder das ‘Gegeneinander’ in allen wider. Es fängt dort an, dass ein Einzelner nur aufgrund seiner Zugehörigkeit einer Gilde bereits vor Schwierigkeiten innerhalb des Rollenspiels steckt oder ganze Gruppen und ihre Komplizenschaft (beinahe wie in R. W. Connell’s “Der gemachte Mann” gebraucht) dass im Grunde ‘Machbare’ eines Rollenspiels im Keime ersticken um ihrer eigenen und alleinigen Ansinnen gerecht zu werden. Dabei wird mit allerlei Düpierung gearbeitet, auf die ich in einem späteren Beitrag näher einzugehen versuche. Das Thema ist umfangreich genug, sich selbst als fortlaufender Beitrag zu erhalten.

Daher steht für mich immer auch die Frage im Raum, ob es meine Pflicht wäre, diejenigen die verkennen, auf was sie sich mitunter einlassen, vor eben jene Entwicklung zu schützen? Nur ist diese Frage, die im Kern da lauten würde: “Wenn ich wüsste, was für A gut ist und er selbst es nicht weiß – darf ich ihn auf diesen Weg führen?” Auch wenn am Ende A auf einen Weg geführt wurde, dessen Selbst er nicht länger wäre? Wie Isaiah Berlin in “Zwei Freiheitsbegriffe” schon sagte, ist diese Frage – dort wesentlich größer aufgeführt – ein Paradoxon. Ein Taschenspielertrick. Wie Berlin es schon sagte, würde ich mit dieser Frage mein Gegenüber zu einer “überpersonalen Entität” aufblähen, die nicht länger seines empirischen Selbst entsprechen würde.

So stelle ich abschließend fest: Eine einfache Lösung zu jenen Konflikten die im Rollenspiel entstehen und von Spielern geschaffen werden, jene Konflikte und Probleme die manipulativ auf andere einwirken, ist nicht auffindbar.

Kevin